Wie alles begann: Historie der Rahdener Grünen

Ab 1983 trafen sich Grüne und alternativ Interessierte zuerst auf der Ebene des Altkreises Lübbecke. Die inhaltlichen Schwerpunkte lagen seinerzeit bei den Themen Umweltschutz, Müll und Waldsterben. In diese Zeit fielen auch die ersten öffentlichkeitswirksamen Aktionen, wie z.B. die Freilegung der Giftmüllfässer im Stemweder Berg unter Begleitung eines WDR-Teams oder auch die Verhinderung eines Hubschrauberlandeplatzes in Fiestel und der massive Widerstand gegen Planungen zu Flugplätzen in Varl, Frotheim und Lübbecke. Infostände und Demonstrationen gegen den Natodoppelbeschluss zur Nachrüstung wurden initiiert und fanden regen Zuspruch in der Bevölkerung. Außerdem wurden mehrfach Bodenproben aus den umliegenden Wäldern genommen und analysiert - die Ergebnisse waren erschreckend: Der saure Regen ließ grüßen.

Auf Initiative vieler Grüner Mitstreiter wurden in mehreren Orten des Kreises Ökomärkte veranstaltet, und das Bewusstsein zum Thema gesunde Ernährung begann sich in der Bevölkerung zu entwickeln. So manch ein Bioladen in der Region ist aus diesen Initiativen entstanden. In den ersten Jahren wurden Veröffentlichungen zu diversen Themen noch gemeinsam von allen Grünen Gruppen im Altkreis Lübbecke herausgegeben. Auch die Finanzen wurden gemeinsam verwaltet. 1983 war es die Lübbeckerin Dr. Antje Vollmer, die für die Grünen zur Bundestagswahl kandidierte, und erfolgreich in den Bundestag einzog.

1984 kandidierten die Rahdener Grünen erstmalig für den Stadtrat. Der Schüler Matthias Engel zog als erstes Grünes Mitglied in den Rat ein und hatte seinerzeit einen schweren Stand gegen die "altgedienten" Ratsmitglieder. Nach einem Jahr verließ er Rahden auf Grund seines Studiums. Ihm folgte Cornelia Schmelzer in den Stadtrat.

Die ersten Anträge, die die Grünen in Rahden stellten, beschäftigten sich mit den Themen wie z.B. bleifreie Tankstelle für Rahden, Aufstellung eines Containers für Altmetalle (der Antrag wurde von den anderen Fraktionen mitgetragen und für einige Jahre gab es in Rahden diese Altmetallsammelstelle), Sammelbecken für Sondermüll, Einstellung von schwerbehinderten Auszubildenden, Schaffung einer Umweltschutzsstelle und Unterstützung des DRK-Behindertenfahrdienstes. Durch Gespräche mit der Post wurde seinerzeit erreicht, dass in Rahden eine behindertengerechte Telefonzelle eingerichtet wurde und dass in dem alten, jetzt nicht mehr existierenden Postgebäude, ein behindertengerechter Zugang ermöglicht wurde.

1984 zog der Rahdener Grüne Winrich Dodenhöft in den Kreistag. Dem Einfluss der ersten grünen Kreistagsfraktion ist u.a. der hohe Sicherheitsstandard auf der Mülldeponie Pohlsche Heide in Hille zu verdanken.

1985 stellten die Rahdener Grünen mit Rudolf Müller-Elze den Grünen Landtagskandidaten für den Altkreis Lübbecke. Der 02.08.1985 ist das offizielle Gründungsdatum der Ortgruppe der Rahdener Grünen. In der ersten Satzung war noch geregelt, dass die Rahdener auch für den Bereich Stemwede mit zuständig waren, da es dort keine eigene Grüne Gruppe gab. Die Stemweder Grünen gründeten sich 1989, so dass diese Aufgabe für die Rahdener dann entfiel.

In den Jahren 1985 bis 1999 gaben die Rahdener Grünen in unregelmäßigen Abständen eine eigene Zeitung heraus, die "Rahdener Wiese". In den Anfangsjahren wurde sie noch mühsam auf der Schreibmaschine erstellt. Die "Wiese" wurde großflächig in Rahden verteilt und diente dazu, der Bevölkerung die Grünen Themen und Anliegen näher zu bringen. Insgesamt wurden über 30 Ausgaben mit Auflagen bis zu 6.000 Stück in Rahden an die Bevölkerung verteilt.

Das Jahr 1986 und die Folgezeit waren thematisch von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl und dem Widerstand gegen die Atompolitik der Regierenden gekennzeichnet. Während die Grünen schon seit langem den Ausstieg aus der unsicheren und nicht beherrschbaren Atompolitik forderten, schlossen sich immer mehr Menschen dieser Sichtweise an.

1989 zog dann Monika Pretzel in den Rahdener Rat ein und war dort bis 1993 aktiv. Ihr folgte Winrich Dodenhöft, der die Grünen bis heute im Rat vertritt. Seit 1989 ist Cornelia Schmelzer für die "Grünen" im Kreistag aktiv und vertritt dort u.a. die Interessen des Rahdener Krankenhauses.

Im Februar 1989 versuchte die rechtsradikale NPD in Rahden in der damaligen Gaststätte "Letzter Heller" ihren Bundesparteitag abzuhalten. Tausende von demokratisch gesinnten Menschen aus Rahden sowie näherer und weiterer Umgebung demonstrierten gegen diese Veranstaltung. Trotz Polizeieinsätzen mit chemischen Keulen gegen die friedlichen Demonstranten erreichten sie, dass über 40 % der NPD-Delegierten ihr Ziel nicht erreichen konnten. Der DGB waren seinerzeit maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung der Demonstration beteiligt und wurde von den Grünen massiv unterstützt.

Ab 1989 wurde durch ein immenses Landesprogramm mit der Renaturierung der Großen Aue in Varl begonnen - ein Projekt, das sowohl von den Landesgrünen als auch den Grünen vor Ort begrüßt und unterstützt wurde. So haben in der Folgezeit Mitglieder von Grünen und BUND im Renaturierungsgebiet in Varl Kopfweiden gesetzt, die bis heute regelmäßig gepflegt werden.

In den Jahren 1994 bis 1999 waren die Grünen mit 2 Vertretern im Rat und hatten somit Fraktionsstärke. Wolfgang Henke war damals der zweite Grüne Ratsvertreter. In diese Zeit fiel in Rahden auch die Entscheidung für den Bau eines eigenen Gymnasiums. Es war ein Bürgerantrag, der seinerzeit die Diskussion in Gang brachte und die Grünen haben dieses Anliegen von Anfang an vehement unterstützt.

1999 stellten die Rahdener Grünen mit Winrich Dodenhöft erstmals einen eigenen Bürgermeisterkandidaten.

2004 - die erste Wahl nach Abschaffung der Doppelspitze - kandidierte Winrich Dodenhöft als einziger Kandidat gegen den derzeitigen Bürgermeister. Leider war es nicht gelungen, die anderen Parteien in Rahden zu einer gemeinsamen Bürgermeisterkandidatur zu bewegen.

Die Jahre ab 2004 waren geprägt von Fragen der Renovierung und zukünftigen Nutzung des Bahnhofgebäudes um dort ein attraktives Angebot für die Menschen in Rahden zu schaffen. Schon Jahre vorher hatten die Grünen im Rat angeregt, aus dem NRW-Förderprogramm "100 Bahnhöfe" Zuschüsse für die Bahnhofsrenovierung zu beantragen. Dieser Antrag wurde seinerzeit einstimmig angenommen und ist letztendlich mit eine der Entscheidungsgrundlagen zum Kauf des Bahnhofgebäudes gewesen. Als Folge eines weiteren Grünen Ratsantrages werden seit einiger Zeit die geeigneten Dächer von Rahdener Schulen für private Investoren zur Errichtung von Fotovoltaikanlagen vermietet. In den letzten Jahren haben es die Verantwortlichen der Stadt Rahden versäumt Pluspunkte auf einem Ökokonto anzusammeln. Durch gezielte Renaturierungs-, Aufforstungs- und Eingrünungsmaßnahmen können Kommunen entsprechende Pluspunkte sammeln um diese später bei Eingriffen in die Natur anstelle von gestückelten Ersatzmaßnahmen einzusetzen. Die Rahdener Grünen haben sich in den letzten Jahren gemeinsam mit den Kreisgrünen für den Erhalt und Neubau des Rahdener Krankenhauses sowie den Verbleib aller kreiseigenen Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft eingesetzt.