Pressemitteilung: Große Aue

Zu den Berichterstattungen über den Zustand der Großen Aue nimmt Winrich Dodenhöft, Fraktionssprecher der Grünen im Rat der Stadt Rahden Stellung:

Groe Aue Kopie
Bevor die Entscheidung für diese Variante der Maßnahmen an der Großen Aue fiel, wurden durchaus mehrere Modelle diskutiert, unter anderem eine komplette Umgestaltung der Großen Aue, also eine echte Renaturierung.

Die kanalisierte Große Aue ist in den 1960 Jahren nach reinen technischen Gesichtspunkten gebaut worden und an diesem System ist die Entwässerung der Landschaft angeschlossen. Die GRÜNEN und Umweltschutzverbände hätten eine echte Renaturierung natürlich begrüßt. Aber wie so oft war dies politisch nicht durchsetzbar. Das Schlagwort hieß damals, "ihr wollt uns wieder absaufen lassen". Deshalb bekam das Projekt den offiziellen Titel "Wiederherstellung einer naturnahen Gewässerlandschaft an der Großen Aue".

Trotz aller Mängel hat sich in relativ kurzer Zeit in den Flächen, die der Natur wieder zurückgegeben wurden, eine vielfältige Fauna und Flora entwickelt. So hat sich in einigen Bereichen ein typischer Auwald, genauer gesagt eine Weichholzaue, mit Weiden und Erlen entwickelt.
Auen sind die natürlichen Überflutungsflächen entlang von Flüssen und Bächen. Es sind Niederungen, in denen hohe Wasserstände mit Niedrigwasser-Phasen abwechseln und somit deutlich vom Fluss und seinem System geprägt sind. Dies bringt ein reichhaltiges Mosaik unterschiedlicher Lebensräume mit sich, was den Tier und Pflanzenreichtum von Auengebieten erklärt. Ungefähr zwei Drittel aller Lebensgemeinschaften Mitteleuropas kommen in Auen vor.
Die sogenannte Regulierung von Fließgewässer, sprich die enge Eindeichung, Bebauung und Versiegelung von Flächen, der Abbau von Sand und Kies haben Auen inzwischen jedoch zu den stärksten bedrohten Lebensräumen Europas gemacht.

Neben den Gehölzen haben sich viele standorttypischen Pflanzen angesiedelt wie Binsen und Seggenriede, Blutweiderich, Sumpfziest, Mädesüss, Weidenröschen, Bittersüsser Nachtschatten und an den Uferrändern herrlich duftende Wasserminze. Artenreiche Wiesen und Weiden bieten vielen bedrohten Arten eine Lebensgrundlage. Die unterschiedlichsten Stillgewässer sind ein idealer Lebensraum für Amphibien wie Erdkröten, Grasfrosch, Grünfrosch und Teichmolche. Viele Libellenarten sind ebenfalls hier zu finden wie kleine Mosaikjungfer, Gebänderte Heidelibelle, Glänzende Binsenjungfer. An schönen Tagen kann man den Balzflug der Dunklen Prachtlibelle beobachten.

Nicht ohne Grund brüten seit einiger Zeit drei Storchenpaare in oder in unmittelbarer Nähe der Großen Aue. Eine Graureiherbrutkolonie hat sich in der Nähe angesiedelt und der Silberreiher ist ebenfalls hier heimisch geworden. Eine Vielzahl von Wassergeflügel fühlt sich hier wohl. Im Frühjahr kann man die Nachtigall und den Pirol singen hören.

Natürlich bleiben die beiden Dürrejahre auch an der Großen Aue nicht ohne Folgen, aber in dem ersten Abschnitt zwischen L770 und Kleinendorfer Kreuz hält sich in den naturnahen Flächen noch erstaunlich viel Wasser und ist damit auch ein wichtiger Beitrag für die Bildung von Grundwasser und für das Klima.

Ein natürliches Fließgewässer fließt auch im Flachland niemals gerade aus, sondern bildet sogenannte Mäander aus. Nach einem Hochwasser kann es durchaus vorkommen das der Fluss sich teilweise ein neues Bett gegraben hat, so entstehen z.B. Altarme. Bei der Planung des Parallelgewässers hat man versucht, sich an alten historischen Karten zu orientieren.

Viele unser kleinen Naturschutzgebiete liegen heute völlig isoliert in einer intensiv genutzten Landschaft, naturnahe Fließgewässer können hier von der Quelle bis zur Mündung, eine ideale Vernetzung, durch ihre lineare Struktur, bilden.

Obwohl unser Planet zu mehr als 70 Prozent mit Wasser bedeckt ist, wird Wasser für eine wachsende Weltbevölkerung zunehmend ein knappes Gut. Denn gerade mal drei Prozent dieser gewaltigen Mengen sind trinkbares Süßwasser, und wiederum nur ein Drittel davon ist für die menschliche Nutzung erreichbar.Zwei Drittel des Süßwassers ist bzw. war in unseren Gletscher gespeichert. Flüsse und Seen hingegen halten nur 0,3 Prozent unserer Reserven.

Über 780 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberen Süßwasser. Immer länger wird der Weg, den Menschen in Drittweltländern zurücklegen müssen, um an Wasser fürs tägliche Leben zu gelangen. Denn mittlerweile wurde fast der Hälfte aller Feuchtgebiete das Wasser abgegraben, meist für Landbau oder neue Siedlungen. Der bereits begonnene Klimawandel verstärkt diese Entwicklung noch. Immer häufigere und längere Dürreperioden wechseln sich mit extremen Regenfällen und Überflutungen ab.

Winrich Dodenhöft